Synopsis

Andreas Dresen, 1963 in Gera geboren, zählt zu den seltenen Regisseuren, die in der DDR ausgebildet wurden und denen es gelang ihre Karriere mit Erfolg im wiedervereinigten Deutschland fortzusetzen. Er war gerade zum richtigen Zeitpunkt angekommen: Nach einem Volontariat im berühmten DEFA Studio, wo er mit seinem späteren Mentor Günter Reisch arbeitete, nimmt er ein Regie-Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg auf, das er 1991 abschließt. Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung hatte er also noch nicht als Regisseur gearbeitet, konnte jedoch das Ansehen und Vertrauen genießen, worauf sich seine Vorgänger, die wegen heimlicher Zusammenarbeit mit der DDR-Regierung unter Verdacht standen, nicht mehr verlassen konnten.

In seinem ersten Langfilm STILLES LAND (1992) versucht ein junger Regisseur eine resignierte Theatertruppe im hohen Norden in Schwung zu bringen, während sich in der Ferne das ganze Land erhebt. Es ist der Beginn Dresens umfangreichen Karriere, dessen Erfolg sowohl von Kritikern als auch vom Publikum gefeiert wird. In seinen Filmen werden mit viel Zärtlichkeit – und oft auch mit viel Humor, selbst wenn es sich um ernsthafte Themen handelt – Menschen aus weniger wohlhabenden Verhältnissen in Szene gesetzt. Die Geschichte der zwei Gesichter Deutschlands und die Realität der ostdeutschen Gesellschaft nach der Wiedervereinigung durchzieht sein Werk wie ein roter Faden bis hin zu seinem letzten Werk.

Im Jahr 1999 wird sein Episodenfilm NACHTGESTALTEN auf der Berlinale vorgeführt, zwei Jahre später wird die Tragikomödie HALBE TREPPE mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Dieser Film wird zwar in Frankreich gezeigt, jedoch erlebt er dort seinen Durchbruch mit SOMMER VORM BALKON (2006). In einem ganz anderen Register überrascht er uns mit seinem Dokumentarfilm HERR WICHMANN VON DER CDU, wo es um einen voller Durchhaltevermögen jungen Politiker geht, der sich auf die Jagd nach Wählerstimmen in eine SPD-Hochburg begibt. 2008 erhält WOLKE 9 den Preis Coup de Coeur in Cannes wegen seines vorbehaltlosen und humorvollen Umgangs mit dem tabubehafteten Thema Sexualität und Liebe im Alter. 2011 gewann er den Preis Un Certain Regard mit HALT AUF FREIER STRECKE, in dem er beobachtet, wie sich die Diagnose eines inoperablen Gehirntumors auf einen Mann und seine Familie auswirkt. Die Verfilmung des Romans ALS WIR TRÄUMTEN lief 2015 im Wettbewerb der Berlinale (und auf dem Festival Augenblick!) und illustriert das Leben einer desillusionierten Jugend während den ersten Jahren der Wiedervereinigung. Ein Jahr später dreht Dresen seinen ersten Kinderkinofilm TIMM THALER ODER DAS VERKAUFTE LACHEN, in dem er die berühmten Abenteuer des Jungen, der sein Lachen an den Teufel verkauft, auf die große Leinwand bringt...

Die Begeisterung des Publikums für Andreas Dresens Filme lässt nicht nach: Sein letzter Film GUNDERMANN hat mit dem deutschen Kinostart bereits bis zu 250 000 Zuschauer erreicht. Er erzählt die ungewöhnliche Lebensgeschichte des Baggerfahrers und Liedermachers Gundermann, der wiederum das lebendige Porträt der Wunden, Hoffnungen und Enttäuschungen der Ostdeutschen darstellt und zum Idol einer ganzen Generation wurde.

Wir laden Sie herzlich dazu ein den Regisseur, Kind der Wiedervereinigung, kennenzulernen, der als Hauptvertreter einer ostdeutschen kinematographischen Tradition, sich gekonnt die filmischen Richtlinien des Westens aneignete und es somit schaffte seine eigene Gestaltungsweise zu entwickeln und das Publikum über sämtliche Grenzen hinweg zu erreichen.


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